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zuletzt aktualisiert am 26.03.2004

Vanishing Point beeinflußt Filmemacher

Vanishing Point zählt mit zu den Filmen, die nachfolgende Generationen von Filmemachern erheblich beeinflussten. Die Directors Guild of America (DGA) und deren Sparte Idependent Directors Guild (IDG) führt eine Veranstaltungsreihe durch, die einen Dialog zwischen den Machern der Kultfilme und Nachwuchstalenten ermöglicht. Am 3.11.2003 war Vanishing Point das Thema. Regisseur Richard Sarafian und Hauptdarsteller Barry Newman waren geladen und es hat offenbar Spaß gemacht, wie an den Fotos von Joe Coomber zu sehen ist.

Barry Newman, IDG-Chef Gyllenhaal und Richard Sarafian
vlnr: Barry Newman, IDG-Chef Gyllenhaal und Richard Sarafian

Der Film wurde gezeigt und es gabe eine Frage-Antwort Session. Hier nun einige Aussagen Sarafians und Fakten aus dem Artikel, sinngemäß übersetzt:

  • Was mich verwundert, ist, daß die Kritiker den Film hassten. Nur das Publikum brachte den Film immer zurück (in die Kinos). Er ließ sie nicht los.
  • Er war - wie die meisten Filme - eine Arbeit aus Liebe, mit einer außergewöhnlichen Crew und einem großartigen Kameramann, John Alonzo. Seine Seele, sein Herz waren der halbe Film. Er hat wunderbare Arbeit geleistet, ohne Beleuchtung. Vielleicht ein Licht. Wir hatten eine Crew von nur 19 Mann. Alle hatten so großartige Energie. Dennis Parish, der Prop-Mann, tat alles: die Bauten, die Props, all die Details, mit solcher Freude. Mein Produktionsleiter war Chico Day. Er ist berühmt. Seine Ausarbeitung über den Film Patton sind jetzt Lehrmaterial and der UCLA (University of California Los Angeles). Wir waren da in der Wüste und arbeiteten in der  heißen Sonne. Manche Tage fuhren wir 400 Meilen: hin zum Drehort, dann die Aufnahmen und weiter ins Hotel und dann Party. Es war ein Spaß. Es war wie ein Tanz.

Dieser Tanz überschritt die Grenzen der Bundesstaaten und noch mehr Grenzen: die von Kowalski genarrten Polizeibehörden, die Rassen- und Geistesgrenzen, verkörpert durch die Figur Super Soul, die Musik und Gegenkultur der 60er, Seite an Seite mit dem andauernden Vietnamkrieg.

  • Der Kameramann Janusz Kaminski (Schindlers Liste) schrieb in einem Artikel über seine Beeinflussung durch VP, den er in Polen sah,  daß die Kommunisten den Film nur erlaubten, weil sie es als Beispiel für ein dekadentes Amerika sahen (vergleiche hier). Ich sah ihn nie auf diese Weise. Er betrachtete ihn als Ausdruck für das Streben nach Freiheit und das tue ich auch.
  • Ich habe ein alternatives Ende gedreht, welches meine ursprüngliche Vorstellung war. Als Kowalski auf die Bulldozer zurast, sieht er ein Licht zwischen ihnen, das sein Gesicht trifft und als er es berührte, wollte ich einen lautlosen Moment. Und Super Soul, statt seinen Tod zu beklagen, jubelt: ‘Yeah! Er hat es geschafft!’ Meine Vorstellung war, daß er auf ein anderes Niveau gelangt, wie wir alle. Jeder mit seiner eigenen Geschwindigkeit; Kowalski schneller als andere, aber er kommt durch. Etwas anderes wartete dort draußen auf ihn und er merkte das. Er sieht die Autowracks, den alten Friedhof, wie das Metall in die Erde eingeht, die Natur Materie beansprucht, und er war eine Rakete. Aber Studiodirektor Richard Zanuk sagte: ‘Nein Richard, er muß sterben. Es wird Tickets verkaufen.’
  • Wir hatten acht Challenger zum Dienst gezwungen und einen großartigen Mechaniker, Max Balchowsky, der ein Auto am Laufen hielt. Wir nahmen Teile aus einem, um ein anderes am Leben zu erhalten bis das schließlich ausgelutscht war. Sie waren einfach nicht für das gemacht, was wir von ihnen verlangten.
  • (Hier verweise ich auf den Artikel von 1986, der etwas andere Aussagen trifft. Vermutlich erinnert sich Sarfian nicht mehr so genau an die Details.)

  • Newman war nicht meine erste Wahl für die Rolle. Al Pacino und Gene Hackman wollten die Rolle, aber das Studio gab mir Barry. Ich war mir nicht so sicher, weil er kein Star war. Er hatte gerade den Film The Lawyer gedreht, aber er paßte gut hinter dieses Lenkrad. Er ging hin und lernte und er hatte dieses Besondere. Er machte es realistisch für das Publikum und mich. Er war nicht der Antiheld. Er ging viel weiter. Wir konnten Barry mit diesem Film entdecken und fühlten uns wohl mit ihm als dem Typen, der das Auto fährt.

Als Sarafian VP drehte, dachte er, er würde den 60ern auf Wiedersehen sagen.

  • Was aber wirklich passierte, war, daß ich ein ganz neues Genre der Road Movies der 70er eröffnete. So wunderbare Filme wie “Two Lane Blacktop” folgten. Für einen Regisseur gibt es nicht Schöneres, als für einen Ort Sinn zu erschaffen; da hinaus gehen, in die Wüste, auf die heißen Straßen. Irgendetwas passierte in mir, als ich da fuhr, um einen geeigneten Ort zu finden, wo ich den Stunt machen könnte. Da waren so viele Einstellungen die ich machte, lange Brennweiten, komprimierte Einstellungen, Sachen, die wir seitdem hundert mal gesehen habe.
  • Ich weiß noch, als ich zum ersten Mal John Ford, eins meiner zwei Idole getroffen habe. Er sagte: ‘Du rauchst also Zigarre?’, gab mir eine aus seiner Hosentasche und sagte: ‘In diesem Film, in diesem Zelluloid ist Magie, etwas, worüber wir keine Macht haben.’ Das kann ich über VP sagen: Es war eine magische Erfahrung.

Sarafian im November 2003
Sarafian im November 2003

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